LESEPROBE

aus: Usch Hollmann: Stoffel lernt spuken / Stoffel läänt spöken
Eine Gespenstergeschichte aus dem Münsterland. Mit einer plattdeutschen Übersetzung von Käthe Averwald und Illustrationen von Dirk Hennig

Hochdeutsche Version / Plattdeutsche Version

"Es war an einem richtig schönen Frühlingsmorgen. Im Park von Schloss Steinfurt zwitscherten und sangen die Vögel. Die Sonne schien von einem knallblauen Himmel herab und zauberte glitzernde Kringel auf das Wasser des breiten Grabens, der das alte Gemäuer umgibt. Die Enten auf der Uferböschung schnatterten laut, und der Schwan putzte ausgiebig sein Gefieder. Trotz der frühen Jahreszeit tanzte schon ein Schwarm Mücken in der milden Luft, und auf den ersten Seerosenblättern hockten einige Frösche und nahmen schweigend ein Sonnenbad.
Ein dickes, goldenes Büschel Sonnenstrahlen fiel auch durch eine Dachluke des Torhauses, das seit vielen Hundert Jahren am Eingang des Schlosses steht. Hier oben auf dem Dachboden wohnt das kleine Schlossgespenst, Stoffel von Steinfurt. Er hatte sich einen der dicken Eichenbalken als Lieblingsschlafplatz ausgesucht. Auf dem Balken gleich nebenan wohnte Erwin Eichhorn. Der war zwar kein Gespenst, sondern ein Eichhörnchen, aber trotzdem Stoffels allerbester Freund. Erwin kümmerte sich rührend um Stoffel, damit dessen Eltern sich keine Sorgen machen mussten, wenn sie ihren Pflichten als Gespenster nachgingen. Sie spukten in mehreren Wasserschlössern und Burgen im Münsterland. Auch in alten, leer stehenden Klöstern traten sie auf, besonders im Sommer, wenn viele Menschen auf ihren Fahrrädern durch das Münsterland radeln und sich alte Gebäude anschauen."

Plattdeutsche Version (Münsterländisches Platt)

"Etwas 'n wunnerschönen Fröhjaohrsmuorn. In'n Park van Sluot Stemmert süngen de Vüegel. De Sunne scheen van den knallblaoen Hiemel harunner un maolde glämmerige Kringe up dat Water van de Gräfte, de üm de ollen Müern flütt. De lärne an't Öwer snaterden luut un de Schwan möök met Utduer siene Fiädern rein. Ofschonst et no fröh in de Jaohrestied was, danzten all de Müggen in de warme Luft un de Poggen satten up de Seerausenblaare un sunnden sick.

De Sunne smeet en Fussen güldene Straohlen dör de Dackluke van dat Paortenhuus. Dat steiht all jaohrhunnertelank an den Ingank van't Sluot. Buoben up der Büe unner't Dack wuehnt dat lütke Sluotgespenst, Stoffel von Steinfurt. De häff sick up eenen van de dicken Ekenbalken siene laifste Slaopstiär inricht. Up den Balken tiägenan wuehnt Erwin Eichhorn. De is kien Gespenst, he is 'n Eekkättken un is doch Stoffel sienen bestguetten Frönd. Erwin kümmert sick dagesdag üm Stoffel. Daorüm bruukt sick den siene Öllern kiene Suorgen üm em maken. De müett faken iähre Upgawen äs geläerte Gespenster naogaohn. Se spökt dann up mährere Waterslüöter un Buorgen in't Mönsterland. Auk in olle Klausters, de lierig staoht,triät't se up un dat besonners in'n Summer, wenn viele Lüe met iähre Draotiesels dör't Mönsterland föhrt un sick olle Bauwiärke ankiekt."

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