LESEPROBE

aus: Medienmenschen. Wie man Wirklichkeit inszeniert

"In der Regel korrespondiere ich auch als Interviewer nur mit dem Medienbild, das der Gesprächspartner erzeugen will, mit einem inneren Fresko, das er sich zurechtgelegt hat. Dahinter zu gelangen ist wie Steine melken."

ROGER WILLEMSEN

"Ja, ich halte mich für intelligent. Übrigens habe ich nie behauptet, dumm zu sein, und mich auch nie dumm gefühlt, aber denkt nicht jeder dumme Mensch von sich, er sei intelligent?"

VERONA POOTH

"Das Leben hat weitaus magischere Zusammenhänge als solche, die Journalisten beeinflussen könnten. Man ist einfach gut beraten, wenn man genau die Arbeit leistet, von der man zutiefst weiß, dass man sie für seine Menschwerdung braucht. Und niemals solche, von der man sich opportunistisch erhofft, mit ihr auf Titelseiten zu kommen oder zu Groupies oder zur Finanzierung einer Jacht."

ANDRÉ HELLER

"Einer bestimmten Sorte von Boulevardjournalismus muss man nicht mit Abneigung, sondern nur noch mit Verachtung begegnen."

JOSCHKA FISCHER

"Nobel formuliert ist es einfach klug, keine zynische, verlogene, korrupte Drecksau zu sein. Und es ist beschämend, wie viele – für kurze Zeit erfolgreiche – Menschen diese Binsenweisheit nicht begriffen haben."

ANDRÉ HELLER

"'Wer sich in die Öffentlichkeit begibt, der kommt darin um. Das ist meine große Angst – weil ich es weiß und trotzdem mache.'"

ELSE BUSCHHEUER

"Eine wichtige Lehre aus der Jahrtausende währenden Verfolgung der Juden, die im Holocaust gipfelte, ist: Es hat keinen Sinn sich anzupassen, sich so zu verhalten, wie es von einem erwartet wird. Wer denkt, sich schützen zu können, indem er mit den Wölfen heult, täuscht sich."

MICHEL FRIEDMAN

"Um Inhalte geht es höchstens noch bei Themen wie Faschismus, Antisemitismus und Kinderpornografie. Alle anderen Inhalte haben das Fernsehen weitgehend verlassen. Das geht so weit, dass irgendwann in der Tagesschau gemeldet wurde, Daniel Küblböck sei gegen einen Gurkenlaster gefahren. Von diesem Sündenfall wird sich die Sendung nur schwer erholen."

ROGER WILLEMSEN

"Wenn es an Thomas Gottschalk überhaupt so etwas wie Größe gibt, ist es die, genau den Satz abzusondern, zu dem die Mehrheit 'Ja' sagen wird."

ROGER WILLEMSEN

"Man erwartet, dass die Regierung handelt, auch wenn sie es eigentlich gar nicht kann. Und in dieser Lücke zwischen Erwartungshaltung des Volks und den Handlungsmöglichkeiten der Politik entsteht dann so etwas wie positive Magie. Wer sie nicht beherrscht, wer es nicht schafft, vor der Welle der öffentlichen Aufmerksamkeit zu schwimmen, sondern in die Welle hineingerät, wird verschlungen."

JOSCHKA FISCHER

"Und Medien reagieren nur auf Medienkritik. Es wird gar nicht mehr gefragt, was ich kritisiere, sondern dass ich kritisiere, ist schon verboten."

ROGER WILLEMSEN

"Schließlich leben wir in einer Gesellschaft, in der alle, die den Kuchen verteilen, den andere gebacken haben, automatisch als Helden gefeiert werden. Diejenigen, die den Mut haben zu beschreiben, wie wir stattdessen einen größeren Kuchen backen könnten, werden als Neoliberale verunglimpft. Diese Rollenverteilung ist unfair."

HANS-OLAF HENKEL

"Die Arena ist ein Ort, an dem der Unterschied zwischen Siegern und Verlierern aktuell vorgeführt wird. Die Arenasituation ist für das Gesamtverständnis der modernen Gesellschaft von großer Bedeutung. Auch dort, wo sie nicht explizit sichtbar wird, ist die Arenafunktion im Spiel. Die moderne Mediengesellschaft ist ein riesiger Ereignisgenerator. Überall werden Sieger und Verlierer produziert. Die Medien sind die Meta-Arena, in die alle anderen Arenen virtuell eingebettet sind."

PETER SLOTERDIJK

"Die Politiker beschädigen den Ruf der Politik, weil sie sich gegenseitig der Unredlichkeit bezichtigen. Man stilisiert sich selbst als gut und den politischen Gegner als gefährlich. Weil das wechselseitig geschieht, fällt auf jeden einzelnen Politiker ein Schatten."

PAUL KIRCHHOF

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