LESEPROBE

aus: Aida in Bahrendorf. Geschichten

von Judith Frege:

"Aida hauchte ihren Liebesschmerz mit solcher Hingabe gegen die Wände des Hinterhauses, dass sogar die Luft den Atem anzuhalten schien. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten, und der raue, durchdringende Bass eines bekannten Rappers, der es locker mit dem dunklen Sopran aufnehmen konnte, ließ im Hof die Mülltonnen im Takt erbeben. Aus dem Hinterhalt schickte Herr Lehmann Verdis Gefangenenchor ins Feld, worauf der von Gegenüber schweres Geschütz auffuhr und mit einem wahnwitzig schnellen Rhythmus zurückschoss. Die Auseinandersetzung schaukelte sich in immer höhere Dezibel und kurzzeitig hörte es sich so an, als gewänne der Nachbar von Gegenüber an Boden, als er mit einem Hit attackierte, der seit Wochen in den Charts auf Nummer Eins stand. Herr Lehmann ließ sich nicht lumpen, setzte zum Sturm an und der hundertköpfige Chor, flankiert vom Orchester, nahm im Triumphmarsch den Hof ein. Wer nun glaubte, die Schlacht sei damit entschieden, hatte die Rechnung ohne den Nachbarn von Gegenüber gemacht, der zum Gegenschlag ausholte, den wildesten Rap aus Downtown L.A. mobilisierte, und ..."

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